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„Willkommen im Bordtheater der KuSch“, hieß es diesmal für die Besucher. Dort nämlich haben die Youngsters der Heimatspieler das Stück "Passagier 23" nach einem Psychothriller von Sebastian Fitzek aufgeführt.

Die Zuschauer kamen allerdings weniger in den Genuss kurzweiliger Unterhaltung, sondern gerieten unvermittelt in einen Strudel mysteriöser, schrecklicher und gewalttätiger Ereignisse, die sich an Bord des Kreuzfahrtschiffs "Sultan of the Seas" ereignen. Autor Sebastian Fitzek wünschte per Videoeinspielung der Bühneninszenierung vorab ein gutes Gelingen und viel Erfolg.

Und der war dem Ensemble beschieden, das unter der Regie von David Löll und Anna Julia Cunz mit Bravour der zutiefst klaustrophobischen Handlung Tempo, Spannung und Thrill verlieh.

Jedes Jahr verschwinden auf hoher See rund 20 Menschen spurlos von Kreuzfahrtschiffen. Doch nie kam jemand zurück. Bis jetzt. Martin Schwartz, Polizeipsychologe, hat vor fünf Jahren Frau und Sohn verloren. Es passierte während eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff "Sultan of the Seas" - niemand konnte ihm sagen, was genau geschah. Nie wieder wollte er ein Schiff betreten, bis er den Anruf des Schriftstellers Gerhard Dobkowitz, der sich mit Theorien rund um verschwundene Passagiere beschäftigt, erhält. Er bittet ihn, sofort an Bord der "Sultan of the Seas" zu kommen, wo ein Mädchen namens Anouk wiederentdeckt wird, das zwei Wochen lang vermisst worden war. Es besitzt den Teddy seines Sohnes Timmy.

Fortan nimmt der Albtraum Fahrt auf, erlebt man kurze Szenen von großer Eindringlichkeit, die sich am Oberdeck, in der Kapitänskajüte oder im finsteren "Hell's Kitchen" im Unterdeck des Schiffes abspielen, wo die traumatisierte Anouk von der Schiffsärztin Elena Beck betreut wird. Währenddessen wird ihre Mutter Nanouk von einer maskierten und mit verzerrter Stimme auftretenden Kidnapperin im tiefsten Inneren des Schiffes gefangen gehalten.

Es beginnt eine furiose Mörderjagd, an der ein dubioser Reeder, ein Kapitän, der mehr weiß als er zugibt, und ein Passagier mit seiner Tochter ihren zunächst zwielichtig erscheinenden Anteil haben.

Stimmungsvoll ist die Kulisse, packend die Vorstellung, die dem Zuschauer - präsentiert in sich allmählich steigernden Spannungsschritten - die Augen öffnet, welche finsteren Abgründe sich an Bord der "Sultan of the Seas" abspielen.

Letztlich geht es um sexuellen Missbrauch, um Rache und Sühne, die sich in der zweistündigen Handlung mit düsterer Brillanz bis zum finalen Showdown aufbauen.

Was die Youngsters mit ihrem Spiel auf die Bühne bringen, ist aller Ehren wert. Angefangen von Michael Perry als weltgewandt auftrumpfendem Chef-Steward Bill Johnston bis zu Laura Dörr, die sich nicht schont, um den seelischen und körperlichen Qualen ihrer Rolle mehr als gerecht zu werden, agiert das Ensemble wie aus einem Guss. Das Böse, das sich mit subtilen Windungen und überraschenden Wendungen Bahn bricht, wird in dieser packenden Vorstellung sichtbar.

Von Zerrissenheit und größter Anspannung geprägt ist das Agieren von Louis Peter als Martin Schwartz. Eric Thomas verleiht der Figur des Yegor Kalinin die Arroganz der Macht, während sich Lisa Kring, Elisa Hofmann, Michel Dahlhaus, Nicolas Wogenstahl, Tom Ewert, Victoria Groos und die letztlich für das Überraschungsmoment sorgende Regina Marzen als Schiffsärztin Elena Beck, in ihren Rollen als Täter, Opfer, Ermittler und vermeintlich Unwissende mit Bravour aufgehen.

"Passagier 23" ist ein unbedingt sehenswürdiges Stück Theater, dem es an Düsternis, starken Spannungsbögen und letztlich großen Unterhaltungswert nicht mangelt.

(Fotos: Gert Fabritius)

 

 
Autor
Helmut Blecher

helmut-blecher

Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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