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Seit vielen Jahren sind die beiden Kabarettisten Florian Schroeder und Volkmar Staub kurz vor Jahresende in den Kleinkunsttempeln der Republik unterwegs, um ihre Sicht, samt allerlei Einsichten unters Volk zu bringen.

In diesem Jahr letztmalig in dieser Form gemeinsam auf der Bühne, hatten sie bei ihrem Rückblick aufs Jahr 2018 in der ausverkauften Herborner Kulturscheune (KuSch) jede Menge Gelegenheit, dem Politpersonal von AKK bis Donald Trump aufs Maul zu schauen und auf die Finger zu klopfen.

Die Trennlinien zwischen Gut und Böse, zwischen Moral und Unmoral tackerten sie dabei zu oft mit dicken, plakativ gezimmerten Brettern und einem parodistischen Overkill fest, um letztlich genügend Raum für einen analytischen Blick hinter die Kulissen der Aktionen und ihrer Akteure zu eröffnen.

Nicht alles, aber vieles, was aufregend und ein Aufreger 2018 war, hat das Kabarettduo aufgegriffen, seziert und filetiert. Volkmar Staub und Florian Schroeder warfen sich die Themen zu, loteten Thesen und Antithesen aus, um festzustellen, dass nichts so ist, wie es scheint.

Wer zieht in der CDU den Karren aus dem Dreck. Florian Schroeder lässt AKK, Merz und Spahn per Videoeinspielung auffahren. Als Parodie ihrer selbst, kann sich Schroeder hier jede Parodie sparen. Volkmar Staub kann da nur noch ein Lied auf den bevorstehenden Abgang von Angela Merkel anstimmen: "I did it my way".

Jogi Löw und der Mannschaft bleibt ebenfalls kein galliger Kommentar erspart. Wenn die Deutschen in/gen Russland zu Felde ziehen, kommt man eben nicht weit. Weit ist ein Horst Seehofer auch nicht gekommen, der laut Schroeder statt einer fruchtbaren eher eine furchtbare Zeit hinter sich gebracht hat. Was fehlt, sei da der längst fällige Rücktritt, ein in dieser Republik längst aus der Mode gekommenes Ritual.

Bei AfD, Sachsen, Chemnitz heißt es "Sieg Heul". Mit bitterbösem Sarkasmus rechnet das Duo mit dem rechtsradikalen Gruselkabinett ab, das man nicht einmal parodieren kann und will. Immerhin hat die AfD jetzt auch eine Spendenaffäre. Alice Weidel bekommt dafür von Volkmar Staub einen Agitprop-Song spendiert. Zur Melodie von "Ich will keine Schokolade" singt er: "Ich will keine Alice Weidel, ich will lieber Maoam, das man kauen und auf den Boden spucken kann."

Nach der Auseinandersetzung mit dem digitalen Defizit auf dem platten Land erfährt die Grüne Welle, die ihr gebührende Wirkung. Für Volkmar Staub sind die ach so gestrengen Grünen von einst zu einer Art Wohlfühlpartei geworden, in der sich der Vorsitzende Habeck, "der Coverboy der Landlust" per Stage-Diving dem Volke andient. Und wenn dann noch Joschka Fischer Bundespräsident wird...?

Authentisch weil direkt im Zentrum des innerdeutschen Migrantentums, am Berliner Prenzlauer Berg lebend, lehrt er den ach so fortschrittlichen Gutverdienern ordentlich Mores. "Man ist für Migranten aus anderen Ländern, zieht selbst aber dahin, wo keine sind." Und über ökologische Weihnachten und den tollen, staubtrockenen Sommer sondert Staub etliche Dönekens und Zitate, wie das von der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner: "Wir lassen die Bauern nicht im Regen stehen."

Feinstaub, Plastikmüll und der Abgesang auf die "Ätschibätschi"-SPD, gesammelt und verwertet von Staub, in Person des mit Schmerbauch bestückten Winnetou, lässt Schroeder die Geschichte des Sozialismus in den vergangenen 100 Jahren folgen. Die geraten bei ihm aber einer nicht zu einer wirklich scharfzüngigen Analyse, sondern zu einer überaus flapsigen Satire auf das Personal und Versäumnisse der Linken

Munter spielt man mit der Doppeldeutigkeit von Worten und Begriffen. Schroeder bietet jede Menge Dialekte und noch mehr Parodien auf, wobei die auf Markus Lanz und seine Gäste voll ins Schwarze trifft, während zu guter Letzt auch Donald Trump noch zu seinem Recht kommt. In Vertretung des kürzlich verstorbenen Charles Aznavour, widmet Staub ihm das umgedichtete Lied "Du lässt dich gehen".
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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